UliName: Uli ----
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'Warum wird einer zum Wikinger (darsteller) ?
Also, ich erzähle das jetzt mal so, wie ich es den vielen verwundert dreinschauenden Markt-Gästen erzählt habe.
Auf irgendeine Weise muss es einem schon mit in die Wiege gelegt worden sein, um mit Leib und Seele eine Figur aus einer anderen Zeit darstellen zu können.
Schon als kleiner Junge habe ich mit hörnerbehelmten Elastolin-Wikingerfiguren gespielt. Woher sollte man es als 6-jähriger auch besser wissen? Aber ich hatte sie mir selber ausgesucht, es waren nicht einfach geschenkte. Die Tendenz schien also vorgegeben zu sein.
Dann gingen einige Jahre ins Land. Mit ca. 14 Jahren habe ich im Fernsehen diese Hollywood- Spar-Version von Röde Orm gesehen. Das hat mich so fasziniert, dass ich mir gleich nach dem Film eins von Vater ’s Geschichtsbüchern geschnappt habe, da waren Bilder von Wikingergegensachen drin. Ich wollte auch etwas von den Wikingern haben. Und weil es da ja nichts zu kaufen gibt, musste ich es wohl selber machen. Ich ging in den Wald und habe eine kleine Eiche gefällt. Daraus habe ich dann einen der Köpfe vom Osebergwagen nachgeschnitzt – mit einem Teppich-messer. Ich habe den Kopf heute noch (allmählich ist er eine echte Antiquität).
Es gingen wieder mehrere Jahre ins Land. Ich trat meine Lehre als Goldschmied an. Es eröffneten sich auf einmal ganz neue Perspektiven. Ich konnte plötzlich Metall bearbeiten. Und zwar nicht irgendein Metall, nein, es waren Silber und Gold! Und so fing ich irgendwann an, Thorshämmer nachzubauen, was ja auch die Frage des Glaubens impliziert. Ich hatte mich schon auf dem Gymnasium recht eingehend mit außerchristlichen Glaubensfragen beschäftigt. Aber ich denke, den letztendlichen Ausschlag für meinen Glauben an die alten Götter, gab ein denkwürdiges Geschehen: es war ein früher Märztag Ende der 80‘er mit starkem Schneefall und es war ein Donnerstag. Ich fing gerade an, in den Thorshammer, den ich meinem Bruder zum Geburtstag gemacht hatte, die Runen zu punzen, als aus diesem dichten Schneegestöber heraus ein einziger Donnerschlag ertönte. So ist es gut, dachte ich mir, Thor hat diese Runen jetzt gesegnet.
Wieder gingen viele Jahre ins Land, in denen ich wohl einiges an Wikingerschmuck hergestellt habe, aber an eine Darstellung des Wikingerlebens war kein Gedanke.
Es dauerte noch bis 2004, bis die Nornen den verborgenen Wikinger in mir endlich wachsen und in Erscheinung treten ließen. Es war ein kleines Zeitungsinserat, das mein Leben verändert hat. Es trug mich in die Wikingerszene. Tja, und da gab es viel umzudenken. Ihr kennt das ja alle, auf einmal braucht man einen komplett neuen Haushalt, man muss den Umgang mit Materialien, Werkzeugen und Arbeitstechniken, die vor tausend üblich waren, erst einmal gewohnt werden. Und ein Ende ist nicht abzusehen, es gibt immer wieder Dinge, die es zu verbessern gilt.
Und heute ? …………. Als wikingerzeitliche Darstellung habe ich mich für die Rolle des – wenn auch wehrhaften – Handwerkers entschieden. Dabei möchte ich mich nicht nur auf die Verwendung von Edelmetallen beschränken. Hölzer, Knochen, Geweih, Elfenbein, Bernstein u.v.m. gehören genauso zu meiner Rohstoffpalette. Auch der Aufgabenbereich meines Kollegen im frühen Mittelalter beschränkte sich nicht ausschließlich auf die Verarbeitung von Gold, Silber und Bronze. Außerdem bin ich stets bemüht, sehr individuelle Wünsche zu erfüllen.
Und dann ist da noch der „pädagogische“ Aspekt. Mal abgesehen von häufig gestellten Fragen zu irgendwelchen Materialien, existiert scheinbar auch heute noch ein verzerrtes Bild über die Wikinger. Und dieses Bild geradezurücken sehe ich auch als Aufgabe.'